AleaThoron
   
  FairyCat's Potions and Passions
  Kapitel 15 — Der Fluch der guten Tat?
 
DISCLAIMER: Ich verdiene kein Geld damit, habe jedoch genau den unglaublichen Spaß, der nicht mit Geld aufzuwiegen ist. Alle agierenden Personen gehören JKR. Ich habe sie mir heimlich ausgeborgt, verspreche aber, gut auf sie aufzupassen und sie wohlbehalten und an Erfahrungen reicher und gereifter wieder zurückzugeben.
 
Beta: Deep Water — Mein ganz spezieller Dank gilt meinem Beta, der eigentlich mein Vater ist, und der es sich trotz seiner schweren Krankheit nicht nehmen ließ, mein erster Kritiker zu sein.
 
 
Coniunctio perpetua by Alea Thoron
 
 
Kapitel 15 — Der Fluch der guten Tat?
 
Noch bevor sich Hermione bücken konnte, um Krummbein auf die Arme zu nehmen, schoss das rote Fellknäuel mit hoch erhobenem Schwanz aus der Tür und die Treppe hinauf. Oben auf dem Treppenabsatz blieb er stehen und schaute sie beide erwartungsvoll an. »Miiiaaauu.« Es klang wie die Aufforderung mitzukommen.
 
Hermione seufzte schwer und blickte in Severus’ Gesicht hinauf, in dem sie trotz allem noch so intensiven Forschen keine Regung erkennen konnte. Sie wusste, dass nun die Stunde der Wahrheit gekommen war. Es gab kein Entrinnen, keinen Aufschub. Sie musste sich nun ihrem Professor stellen. Auch wenn sie sich vor Harry noch vor ein paar Tagen noch so forsch gegeben hatte, in diesem Moment, wo sie ihn am meisten brauchte, hatte sie ihr Gryffindor-Mut vollständig verlassen und das Herz war ihr buchstäblich in die Hose gerutscht. Sie warf einen Blick über ihre Schulter zu Harry, der die Szene mit Argwohn beobachtete.
 
»Hermione??? Was …?«, fragte Harry vorsichtig.
 
»Ich habe versprochen, ihm zu erklären, was ich glaubte, tun zu müssen, um sein Leben zu retten.« Ihre Stimme klang selbst in ihren eigenen Ohren verschüchtert und ängstlich.
 
»Er weiß es nicht?«, fragte Ginny erstaunt. »Ich dachte, er … er … oh, Merlin!«
 
»Ron hat es euch allen erzählt!?« Hermione konnte es nicht fassen. Doch es musste wahr sein, denn Ginny nickte kleinlaut. »Wie ich sagte: Zumindest so weit er es begriffen hatte.«
 
Harry wusste, dass er Hermione nicht helfen konnte. Dies musste sie jetzt ganz allein durchstehen. So gern er bei ihr geblieben wäre, um sie zu unterstützen und — falls es erforderlich sein sollte — auch vor Snapes Zorn zu schützen, war ihm doch vollkommen klar, dass Severus Snape seine Anwesenheit niemals zulassen würde. Schon jetzt im Moment machte er den Eindruck, dass er gar nicht erfreut darüber war, zu erfahren, dass sowohl Harry Potter als auch die gesamte Familie Weasley darüber Bescheid wussten, was geschehen war, ganz im Gegensatz zu seiner eigenen Person. Harry konnte Hermione nur mit den Augen Mut zusprechen.
 
Hermione wandte sich um und ging mit schleppenden Schritten zur Treppe. Es fühlte sich an, als hätte sie einen Klebefluch unter den Schuhsohlen, der verhindern wollte, dass sie auch nur einen Fuß vor den anderen setzen konnte. Sie quälte sich langsam die Treppe hinauf, wo Krummbein immer noch auf sie wartete, der daraufhin in Richtung der Tür zur Bibliothek weiterlief, allerdings immer wieder innehielt und sich umdrehte, um sich zu vergewissern, dass die beiden ihm auch folgten. Hermione fragte sich kurz, wie es möglich sein konnte, dass ihr Kater das Ziel kannte.
 
Hermione öffnete die Tür, Krummbein rannte hinein und verschwand in irgendeinem Versteck. Sie folgte ihm und ging hinüber zur Leseecke am Fenster. Dort blieb sie wie angewurzelt stehen. Irgendjemand hatte in ihrer Abwesenheit das Mobiliar repariert. In den Polstern der bequemen Eckbank waren keine Schnitte mehr zu erkennen, die großen Ledersessel standen wieder an ihrem alten Platz und der in mehrere Teile zerbrochene antike Beistelltisch stand wieder repariert und poliert auf seinen vier gedrechselten Füßen. Das größte Wunder allerdings war, dass ein Tablett mit Tee, auf dem Tisch stand. Kreacher musste in ihrer Abwesenheit die Leseecke wieder hergerichtet haben. Woher er allerdings gewusst hatte, dass sie jetzt mit Professor Snape in die Bibliothek kommen würde, blieb ihr ein Rätsel. Sie lächelte schwach.
 
Hermione setzte sich und blickte gedankenverloren aus dem Fenster. Ihre Hand wanderte unbewusst zu der Stelle, wo der Ring unter ihrer Kleidung ihre nackte Haut berührte und presste ihn tiefer in ihre Haut. Sofort verstärkte sich das Gefühl von Sicherheit, Geborgenheit und Schutz, und sie seufzte innerlich. Sie würde nicht von sich aus mit den Erklärungen beginnen. Aus dem Augenwinkel heraus konnte sie sehen, wie Severus Snape sich ihr gegenüber vorsichtig in den Sessel sinken ließ. Er sah sehr abgespannt aus. Und dann erlebte Hermione etwas, was sie nie für möglich gehalten hätte: Severus Snape, die gefürchtete Fledermaus aus den Kerkern, begann das Geschirr vom Tablett zu räumen und Tee einzuschenken.
 
Dann lehnte er sich zurück. »Was haben Sie in der Heulenden Hütte getan, von dem jeder außer meiner Person weiß, und was alle bei dem Gedanken daran erschaudern lässt?«, fragte er mit erzwungener Ruhe. Er war nicht bereit, länger zu warten oder um den heißen Brei herumzureden. Jetzt wollte er Antworten.
 
Hermione schaute ihm nun direkt in die tiefschwarzen Augen. »Das ist nicht so einfach …«
 
»Sie haben es anderen Menschen erklärt, dann sollte dies auch mir gegenüber möglich sein!« Severus klang ungeduldig.
 
Obwohl Hermione ihn irgendwie verstehen konnte, fiel es ihr absolut nicht leicht, darüber zu sprechen. »Ich habe ‘anderen’ nie irgendetwas darüber erklärt — das konnte ich nicht. Sowohl Harry als auch Ron haben es selbst gelesen.«
 
»Dann geben Sie mir das verdammte Buch!«
 
Sie zuckte bei der erheblich angestiegenen Lautstärke seiner Stimme heftig zusammen, griff mit bereits zitternden Händen in die Innentasche ihrer Roben, zog das kleine Perlenhandtäschchen heraus und öffnete es. Mit einem nonverbalen Aufrufezauber beförderte sie das Buch in ihre Hand, die immer mehr zitterte, so dass sie es kaum halten konnte. Sie reichte es ihm hinüber. »Seite 1247.«
 
»Das magische Begreifen des magisch Unbegreiflichen«, las er laut. »Ich kenne den Titel. Merlin, das Buch ist uralt. Was …?«
 
Dann begann er schweigend zu blättern und beinahe fieberhaft nach der entsprechenden Seite zu suchen. Er starrte sekundenlang ungläubig auf das vergilbte Pergament. Als er den Kopf wieder hob war sein Gesicht noch bleicher, als es unter normalen Umständen bereits war. Das Buch glitt ihm aus den Händen und schlug mit einem dumpfen Knall auf dem Tisch auf. Er schaute sie aus brennenden Augen an. »Coniunctio perpetua??!!!«, flüsterte er vollkommen entsetzt. »Das ist nicht Ihr Ernst, oder?« Er spürte, wie er immer mehr die Kontrolle über sich verlor, doch er konnte nichts dagegen tun. »Sind Sie wahnsinnig? Dieser Zauberspruch gehört zu den perfidesten Dingen, die Dunkle Magie jemals hervorgebracht hat. Nur die Unverzeihlichen sind noch schlimmer!« Er wurde immer lauter bis er die letzten Worte regelrecht brüllte.
 
Krummbein stürzte aus seinem Versteck hervor, fauchte den dunklen Mann laut an und schlug wild mit dem Schwanz um sich, bevor er sich setzte und seinen immer noch zuckenden Schwanz um seinen Körper schlang, um die beiden Streithähne aus gelben Augen zu beobachten. Severus stützte nach seinem Ausbruch erschöpft und durcheinander die Ellbogen auf seine Oberschenkel und verbarg erschüttert sein Gesicht in seinen Händen. Wie konnte ein anderer Mensch sich selbst eine derartige Bürde aufladen — und das ausgerechnet für ihn, für ihn.
 
Allerdings es gab auch noch eine andere Möglichkeit. Eine kleine zynische Stimme in seinem Kopf flüsterte ihm zu, dass seine ehemalige Schülerin genauso gut auch an der Macht über seine Person interessiert gewesen sein könnte. Das Streben nach Einfluss und Kontrolle über andere menschliche und nichtmenschliche Wesen war tief in jedem Individuum verborgen und es brauchte nicht viel, um es an die Oberfläche zu bringen.
 
Resignierend hob er den Kopf, lehnte sich vorsichtig zurück und schaute auf die Frau, der er sein Leben verdankte. Ein einziger Blick in ihr Gesicht hatte ihn sehr schnell belehrt, dass dieser letzte Gedanke völlig abwegig war. Doch ihn zu retten um seiner selbst willen — er konnte es nicht verstehen. Er konnte die junge Frau nicht verstehen. Welcher Teufel hatte sie geritten, sich überhaupt an einen solchen Zauberspruch zu wagen. Welche Verzweiflung musste sie an einen solchen ‘Point of no return’ getrieben haben. »Warum?«
 
Dieses eine, nur leise ausgesprochene Wort drückte all seine Fragen, all seine verworrenen Empfindungen aus.
 
Hermione saß immer noch wie erstarrt in ihrem Sessel. Sein Ausbruch hatte sie zuerst nur irritiert, dann jedoch auch in Angst versetzt. Nicht in Angst vor dem Mann ihr gegenüber, sondern in Angst vor dem, worauf sie sich eingelassen zu haben schien. Er erweckte den Anschein, weitaus mehr Wissen über diesen Zauber zu besitzen. Sie hatte damals keine weitere Literatur zu diesem Thema finden können, obwohl sie verbissen danach gesucht hatte. Und das nicht nur hier, sondern auch in der Verbotenen Abteilung von Hogwarts. Seine Worte klangen jedoch so, als hätte sie nichts Schlimmeres tun können, als zu versuchen, ihm mit diesem Zauberspruch das Leben zu retten.
 
Langsam streckte sie die Hand nach ihrer Teetasse aus, um einen Schluck zu nehmen, weil sie hoffte, ihre flatternden Nerven damit ein wenig zu beruhigen. Sie musste sie jedoch sofort wieder abstellen, da das Zittern ihrer Hände dazu führte, dass der Tee augenblicklich überschwappte. »Was wollen Sie hören? Dass ich den Verstand verloren hatte? Dass ich es bereue, Ihnen das Leben gerettet zu haben?«, fragte sie entmutigt.
 
Er schloss für einen Moment die Augen. Als er sie wieder öffnete, musste er erst einmal tief durchatmen, um die nötige Ruhe wiederzufinden. Er wollte sie nicht noch einmal anschreien. Das hatte sie schließlich wirklich nicht verdient. Sie hatte in bester Absicht gehandelt und er war inzwischen ebenfalls davon überzeugt, dass er ohne diesen Zauberspruch nicht überlebt hätte. Hermione Granger würde nicht ohne triftige Gründe zu einem derartigen Mittel gegriffen haben. Es musste äußerst schlecht um ihn gestanden haben, so dass sie nach dem letzten ihr noch verbliebenen Strohhalm gegriffen hatte. Was er trotzdem nicht verstand, war das Warum.
 
»Warum haben Sie mich nicht einfach sterben lassen?«, stellte er nun die Frage, die ihm seit seinem Erwachen im Krankenflügel von Hogwarts das größte Kopfzerbrechen bereitet hatte.
 
Hermione versteifte sich innerlich. Das war die Frage, die sie am meisten gefürchtet hatte. Ihr war bewusst, dass es jetzt keine Ausflüchte mehr geben konnte. Er würde dies niemals zulassen. Abgesehen davon war sie ihm die Wahrheit schuldig. »In jener Nacht, als Sie … Professor Dumbledore töteten, wäre es Ihnen ein Leichtes gewesen auch Luna und mich zu töten. Als Harry uns später von den Ereignissen auf dem Astronomieturm berichtete und von dem, was an der Grenze der Ländereien geschah, wurde mir klar, dass daran irgendetwas nicht stimmen konnte. Das, was mich stutzig machte, war nicht nur, dass Dumbledore um sein Leben gefleht haben sollte, nein, Sie hätten Harry dort draußen töten können, Sie hätten V-Voldemort damit den absoluten Sieg schenken können — zumindest nach Ihrem und unserem damaligen Wissen — und Sie haben es nicht getan …«
 
Sie hatte innegehalten und versuchte, ihre Gedanken zu ordnen. »Ich begann mich zu fragen, ob Sie wirklich der Verräter und abgebrühte Todesser sein konnten, für die Sie jeder hielt, oder ob dies alles nicht nur eine … eine Art … Rolle war. Es gab für mich einfach zu viele Ungereimtheiten, zu viele Dinge, die beim besten Willen nicht zueinander passen wollten. Und da war noch etwas: Professor Dumbledore hatte gegenüber Harry mehrfach betont, dass er Ihnen voll und ganz vertraute, auch wenn er den Grund dafür nie bereit war zu nennen. Man mag zu Dumbledore stehen, wie immer man will, aber seine Menschenkenntnis sollte man niemals anzweifeln …«
 
»Das klingt, als ob Sie Albus Dumbledore nicht besonders … gewogen sind«, konnte Severus sich nicht bremsen, Hermione mit hochgezogener Augenbraue zu unterbrechen.
 
Hermione rutschte nervös auf ihrem Sessel hin und her. Es war geradezu beunruhigend, welche logischen Schlussfolgerungen dieser Mann aus wenigen Worten von ihr zog. Sie dachte eine ganze Weile darüber nach, was und wieviel sie ihm sagen sollte. »Wie ich vorhin bereits erwähnt habe, kam es zu einer Auseinandersetzung zwischen Professor Dumbledore und mir. Ich möchte den Inhalt nicht gern wiedergeben, nur so viel: Was ich gesagt habe, entspricht meiner Überzeugung und ich werde kein Wort davon zurücknehmen, auch wenn ich seine Motivation bis zu einem gewissen Punkt nachvollziehen kann. Was jedoch nicht bedeutet, dass ich seine Handlungsweise und sein Verhalten akzeptiere.«
 
Severus’ Augenbraue war bei ihren Worten immer weiter in die Höhe gestiegen. Nur selten war er in den Reihen der Mitstreiter für das Licht auf Kritik an Albus Dumbledore gestoßen, allerdings saß ihm jetzt und hier jemand gegenüber, der offensichtlich die Machenschaften und Intrigen des alten Schulleiters irgendwann durchschaut und nicht einfach kritiklos hingenommen hatte. Ihr war unabsichtlich bereits vorher schon einmal und eben erneut, jedoch bewusst, das Wort ‘Auseinandersetzung’ herausgerutscht. Dahinter konnte sich — nach ihrem Gesichtsausdruck zu urteilen — nur eine äußerst erbitterte Diskussion mit Albus’ magischem Porträt im Büro der Schulleiterin verbergen, in deren Verlauf sie ihm vermutlich schonungslos sein nicht immer edelmütiges Denken und Tun vor Augen geführt und ihn hart kritisiert hatte.
 
Trotzdem — dies hier war nur ein Nebenschauplatz, etwas, was er vermutlich irgendwann einmal genauer hinterfragen würde, am besten bei Albus selbst, doch nicht jetzt. Sie hatte noch immer nicht seine eigentliche Frage beantwortet und er was nicht bereit, auf eine Antwort zu verzichten.
 
»Weiß Professor Dumbledore über den Zauberspruch Bescheid?«, fragte er.
 
»Nein, abgesehen von Harry und Ron habe ich das niemandem gegenüber erwähnt. Nach dem, was Ginny sagte, bin ich mir allerdings sicher, dass Ron seine gesamte Familie eingeweiht hat, was nicht dem entspricht, was ich wollte.« Sie verspürte kurzzeitig erneut eine starke Verärgerung über Ron, der sich dermaßen über ihre Wünsche hinweggesetzt hatte. Doch diese verebbte, als sie wieder auf den Mann sah, der ihr gegenübersaß. Wie musste er sich erst bei dem Gedanken daran fühlen. Dies war ein grober Eingriff in seine Privatsphäre. Sie konnte nur versuchen, es für ihn so erträglich wie möglich zu machen. Und der erste Schritt dahin war, ihm eine ehrliche Erklärung für ihr Verhalten zu geben.
 
»Als ich die Heulende Hütte betrat, wusste ich nicht, was mich erwarten würde. Dieses Bild — wie Sie leblos auf dem dreckigen Boden liegen — wird mich mein ganzes Leben lang verfolgen.« Sie erschauderte heftig in der Erinnerung daran.
 
»Ich habe den Zauberspruch nicht gelernt, um irgendjemandem Schaden zuzufügen, ganz im Gegenteil. Von Anfang an hatte ich die Vermutung, dass es sich dabei um Dunkle Magie handeln muss, obwohl ich dafür außer dem von Hippokratius Birnthaler geäußerten Verdacht keine Beweise gefunden habe. Außer in diesem Buch konnte ich nirgends eine Erwähnung des Zaubers finden. Und glauben Sie mir, ich habe sogar in der Verbotenen Abteilung gesucht. Für mich bedeutete dieser Zauber die letzte, absolut ultimative Waffe im Kampf gegen V-Voldemort, die allerletzte Möglichkeit, Harrys Leben zu retten, wenn alles andere versagen würde.
 
Nachdem ich merkte, dass die Zaubertränke allein nicht ausreichen würden, Sie lebend in den Krankenflügel zu transportieren, musste ich eine Entscheidung treffen. Sie bekamen Krampfanfälle, starben direkt unter meinen Händen. Mir blieben nur Sekunden, um eine Entscheidung über Leben oder Tod zu treffen. In diesem Moment wurde ich mir mit absoluter Klarheit dessen bewusst, dass Sie für mich kein Verräter, kein Mörder waren, sondern der Mann, der uns aus dem Schatten heraus immer beschützt hat, der Mann, dem ich ohne erst darüber nachzudenken blind mein Leben anvertrauen würde.«
 
Severus konnte kaum glauben, was er hörte. Er öffnete den Mund, um wenigstens ihrer letzten Aussage zu widersprechen, schloss ihn jedoch sofort wieder, weil er nicht wusste, was er ihr entgegensetzen sollte. Wie konnte sie ihm Vertrauen entgegen bringen, ihm, einem Mann, der von den meisten seiner Mitmenschen in der Zauberergemeinschaft verachtet, vermutlich sogar gehasst wurde.
 
Er hatte eigenhändig in seiner Zeit als Todesser — und das waren mehr als zwei Jahrzehnte seines Lebens — gefoltert und gemordet. Am Anfang ohne auch nur einen Gedanken an seine Opfer zu verschwenden, bis kurz vor Lilys gewaltsamem Tod und seitdem gezwungenermaßen und widerwillig — um seine Tarnung aufrechtzuerhalten. Noch heute verfolgten ihn viele seiner Taten nachts in seinen Träumen und nur das Albus gegebene Versprechen und die Fähigkeit, seinen Geist zu verschließen und die Alpträume auszublenden, hatte ihn oftmals davor bewahrt, den Verstand zu verlieren. Quälende Schuldgefühle hatten in ihm die Erinnerungen an das ausgelöst, was er all die Jahre über im Namen des Lichts getan hatte. Jetzt, nach seinem Erwachen nach der Letzten Schlacht waren diese Schuldgefühle zu einem dumpfen Brennen in seiner Brust geworden.
 
Doch all das, was er getan hatte, war nichts im Vergleich zu dem, wozu sie bereit gewesen war. Es war für ihn unfassbar, wie weit dieses Mädchen, nein, diese junge Frau gegangen war, um die Bedrohung für eine Welt zu bekämpfen, in der sie selbst von Vielen allein aufgrund ihrer Abstammung nicht willkommen geheißen wurde. Aber er besaß auch genug logisches Denkvermögen, um sich vorzustellen, was mit ihresgleichen geschehen wäre, und ganz besonders mit ihr selbst, wenn der Dunkle Lo— Voldemort wirklich sein Terrorregime hätte ausbauen und auf lange Zeit etablieren können. Dieses eine vergangene Jahr war nur ein Vorspiel gewesen, ein noch schwacher Vorgeschmack dessen, was nach einem Sieg Voldemorts über die Zauberergemeinschaft und auch die Muggelwelt hereingebrochen wäre.
 
Und sie verfügte offensichtlich über den gleichen messerscharfen Verstand wie er! Worüber er jedoch keine Kenntnis besaß, war das Ausmaß ihres Wissens um diesen Zauberspruch. Hatte sie überhaupt eine Vorstellung davon, was dieser Zauberspruch bewirken konnte?
 
»Ist Ihnen überhaupt bewusst, welche Auswirkungen dieser Zauberspruch haben könnte?«
 
Sie blickte ihn offen an. Er hatte lange geschwiegen, so dass sie bereits zu hoffen begonnen hatte, dass er sich auf irgendeine Art und Weise mit der Realität arrangiert hatte. Doch seine Frage machte ihr klar, dass sie zu früh gehofft hatte. »Ich kenne nur die Ausführungen aus dem Buch und die besagen nicht viel.« Sie seufzte leise, da sie sich sicher war, dass ihre nächste Bemerkung bei ihm nicht auf Gegenliebe stoßen würde. »Allerdings wären mir die Konsequenzen des Zaubers für mich auch vollkommen egal gewesen, wenn der Zauber nur seinen Zweck erfüllen würde.«
 
Wortlos streckte er die Hand seitwärts aus. »Accio Die dämonische Magie des Unsichtbaren.« Ein dicker Wälzer, der zum Glück nur geringe äußerliche Schäden aufwies, flog aus dem riesigen Haufen immer noch auf dem Boden liegender Bücher, die erst noch restauriert und danach wieder in die Regale eingeordnet werden mussten, in seine ausgestreckte Hand. Das Buch war so schwer, dass es seinen Arm über die Sessellehne nach unten zog und er Mühe hatte, es davor zu bewahren, auf dem Fußboden zu landen. Er legte es auf seinen Schoß und begann darin zu blättern.
 
All jene Dinge, die bisher geschehen waren, angefangen von seinem für ihn wundersamen Überleben, über den Farbwechsel bei seinen Zauberstabfunken bis hin zu der Änderung seines Patronus’ hätte er nicht einmal in seinen furchtbarsten Alpträumen mit diesem Zauberspruch in Verbindung gebracht. Nichts davon hatte seinem Gedächtnis auf die Sprünge geholfen. Erst während ihres Gespräches hatte er sich an dieses Buch und die darin erwähnten Nebeneffekte dieses speziellen Zauberspruches erinnert.
 
Endlich schien er gefunden zu haben, was er suchte, denn er reichte es ihr aufgeschlagen hinüber. »Vielleicht sollten Sie dies lesen, bevor Sie so etwas sagen.«
 
Hermione senkte den Blick auf das Buch. Bevor sie die erste Zeile las, atmete sie erst einmal tief durch, um sich zu beruhigen. Was immer sie jetzt erwarten würde, nichts wäre so schlimm, als wenn sie ihm jetzt nicht mehr gegenüber sitzen könnte, weil er nicht mehr am Leben war. Und dann las sie:
 
Durch die Internationale Vereinigung von Zauberern, deren Mitglieder im Januar des Jahres 1718 eilig einberufen worden waren, nachdem das Britische Zaubereiministerium im November 1717 überraschend und einseitig und für das Herrschaftsgebiet des gesamten Commonwealth verbindlich drei Zaubersprüche unter den ‘Bann der Unverzeihlichen Flüche’ gestellt hatte, wurde von Seiten des gesetzgebenden Gremiums unter dem Vorsitz des allseits geachteten Theophilus Papadoupoulus mit einer sehr knappen Mehrheit beschlossen, die Bezeichnung ‘Unverzeihliche Flüche’ und die Untersagung des Gebrauchs derselben für die gesamte magische Gemeinschaft in allen Ländern zu übernehmen.
 
Dagegen wurde der Antrag des deutschen Gesandten, den Zauberspruch ‘Coniunctioperpetua’ als vierten verbotenen Fluch ebenfalls unter den Bann der ‘Unverzeihlichen’ zu stellen, nach einer langen hitzig geführten Debatte abgelehnt. Auch die bereits während der letzten acht Zusammenkünfte der Internationalen Vereinigung von Zauberern gestellten Anträge, diesen Zauber zu ächten, wurden einmal mehr durch eine überwältigende Mehrheit der Mitglieder verworfen. Selbst die Tatsache, dass die Verbindung nicht durch den freien Willen des von dem Zauber Betroffenen gelöst werden kann und erst durch den Tod desjenigen erlischt, der den Zauber geworfen hat, ganz zu schweigen davon, dass bis zum Zeitpunkt dieser Entscheidung  kein Gegenzauber entwickelt werden konnte, führte zu keiner anderen Entscheidung.
 
Seit im Jahre 1289 erstmals durch den ehrenwerten ehemaligen Großmeister und Vorsitzenden der Internationalen Vereinigung von Zauberern Hippokratius Birnthaler eine extra dafür eingesetzte Kommission ins Leben gerufen wurde, die den Zauberspruch ‘Coniunctioperpetua’ und dessen Auswirkungen untersuchen sollte, hat sich das Wissen um diesen Zauber in Gelehrtenkreisen vervielfacht. Die seitdem massiv vorangetriebene Forschung hat zur Überraschung aller Beteiligten eklatante Fehlschlüsse und Missinterpretationen zutage gebracht. Eine Überraschung, die gerade unter muggelstämmigen Zauberern und Hexen aller mit diesem Zauberspruch befassten Kommissionen erst Befremden, dann Fassungslosigkeit und zuletzt ein gerütteltes Maß an Bestürzung auslöste.
 
Noch bis vor einhundert Jahren schien für die Gelehrten zweifelsfrei festzustehen, dass der zugrunde liegende Charakter der Magie, mit der der Zauberer oder die Hexe, der oder die den Zauber wirft, im normalen Leben sympathisiert, ausschlaggebend für die Art der Verbindung sein muss. Dies entspricht bedauerlicherweise nicht den Tatsachen.
 
Eine bereits seit Jahrhunderten schwelende, zum Teil bis an die Grenzen des guten Geschmacks ausgeuferte Auseinandersetzung zwischen den verschiedenen zerstrittenen Lagern von Halb- und Reinblütern einerseits und Muggelgeborenen auf der anderen Seite, wurde nun endlich durch fundierte Ergebnisse beendet. Nach den inzwischen vorliegenden gesicherten Erkenntnissen, nach Durchsicht und Auswertung aller vorliegenden Untersuchungsergebnisse, die auch in Zukunft durch ausführliche Forschungen immer weiter ergänzt werden sollen, ist zum jetzigen Zeitpunkt davon auszugehen, dass die Motivation des Zauberers oder der Hexe, der oder die diesen Zauber wirft, richtungsweisend für die Auswirkungen ist, die der Zauberspruch auf beide von dem Spruch betroffenen Parteien hat.
 
Damit ist eine einfache Unterscheidung zwischen einer in wohlmeinender und einer in niederträchtiger Absicht erfolgten Anwendung des Zaubers nach offensichtlichen Gesichtspunkten — dem Charakter der Magie — nicht mehr möglich. Die Versicherung einer Person, zu einem bestimmten Zeitpunkt dies oder jenes gefühlt zu haben, wirksam zu überprüfen, ist nicht einmal mit den uns zum jetzigen Zeitpunkt zur Verfügung stehenden Hilfsmitteln und Methoden unserer magischen Welt mit all ihrem Potential möglich. Ebensowenig kann man davon ausgehen, dass von einer Person Aufrichtigkeit und Freimut zu erwarten sind, wenn es um die Offenlegung der eigenen innersten Gefühle geht.
 
Überdies ist zu befürchten, dass es in der Mehrheit aller Fälle in durch diesen Zauber geschaffenen Verbindungen einen dominanten und einen submissiven, geknechteten Teil geben wird. Von daher wird im Weiteren die Bezeichnung ‘Dominierender’ für die Hexe oder den Zauberer, die oder der den Zauber geworfen hat, verwendet. Aus diesem Grund widerspricht es der moralischen Gesinnung des Verfassers, weiterhin bei diesem Zauberspruch von einem harmlosen Zauber und nicht von einem Fluch zu sprechen.
 
Inzwischen ist jedoch wenigstens der Nachweis dahingehend gelungen, dass die mit ihrem Leben an den Zauberer oder die Hexe gebundene Person im alltäglichen Leben wirklich vollkommen eigenständig in ihren weiteren Entscheidungen ist — mit der bereits erwähnten Ausnahme des Suizides (vgl. die Abhandlungen in den Büchern Das magische Begreifen des magisch Unbegreiflichen und Die Geschichte der gesetzgebenden Gewalt in der magischen Gemeinschaft, sowie in der Fachzeitschrift Zentralfragen der Zauberkunst, Ausgabe 9/1517, Ausgabe 4/1712 und Ausgabe12/1717). Allerdings wurde erst 1712 in dem Artikel in Zentralfragen der Zauberkunst darauf hingewiesen, dass auch der Dominierende unter keinen Umständen dazu in der Lage ist, den von dem Fluch Betroffenen zum Suizid zu zwingen.
 
Der wahre Charakter des Zaubers und damit seine perfiden Eigenheiten wurde jedoch leider erst im Nachhinein entlarvt, als in den letzten Jahrhunderten mit zunehmender Besorgnis beobachtet wurde, dass nicht nur bei Anhängern der Dunklen Künste, die diesen Zauber warfen, der zumeist einzige Zweck darin bestand, mit diesem Fluch andere Menschen unter ihre Gewalt zu bringen. Besonders in den Kolonien werden diese Flüche bis heute skrupellos eingesetzt, um Menschen beiderlei Geschlechts in andere Länder zu verschleppen und dort zu versklaven.
 
Die Mitglieder der derzeitigen Forschungsgruppe sind sich einig, Dabei ist es vermutlich bedeutungslos, ob der Dominierende der Weißen Magie oder den Dunklen Künsten zuzurechnen ist, da die Motivation eines Menschen nicht vom Charakter der Magie abhängt, mit dem der Dominierende sympathisiert, sondern von seinem eigenen Charakter und dem jeweiligen Vorsatz, den er mit dem Fluch verfolgt.
 
Bei einer entsprechend ausgerichteten Motivation muss beim Gebrauch dieses Fluches mit einer weitaus stärkeren mentalen Anbindung in Form von erzwungener Liebe — was mit durch Zaubertränke erzwungener Liebe gleichgesetzt werden muss — bis hin zu Knechtschaft und Versklavung gerechnet werden. Welche Auswüchse sich dabei ergeben, verdeutlicht ein weiteres Beispiel.
 
In einigen alten reinblütigen Familien ist es zunehmend zu einer Modeerscheinung geworden, dass gerade männliche Familienmitglieder im heiratsfähigen Alter junge reinblütige Hexen durch diesen Fluch gegen ihren Willen zu magischen Handfasting-Zeremonien nötigen. Da in der magischen Welt eine Scheidung ausgeschlossen ist, sind die Konsequenzen für die betroffene Hexe oftmals verheerend. Übertroffen in ihrer Schäbigkeit werden diese Vorgänge nur noch durch das Verhalten von älteren, nicht immer verwitweten Zauberern, die den Fluch einsetzen, um muggelstämmige oder halbblütige Hexen gar zu Konkubinen-Diensten zu zwingen. Falls diese Entwicklung nicht gestoppt werden kann, sind die Auswirkungen auf die Wertvorstellungen und die ethische Gesinnung der magischen Gemeinschaft gar nicht auszudenken.
 
Wenige Ausnahmen berichten jedoch auch von mutigen Menschen, die Anderen in lebensbedrohlichen Situationen beistanden und damit zu Lebensrettern wurden. Nicht umsonst hat der Verfasser dieses Buches den Begriff ‘mutig’ gewählt. Es gehört sehr viel Mut und Entschlossenheit dazu, diesen Fluch — der zweifellos einst der dunklen Seele eines Zauberers entsprang — in einer verzweifelten Situation einzusetzen, immer in der Hoffnung, damit ein Leben zu retten, da die in diesem Zauberspruch schwelende Düsternis das eigentliche Streben leicht ins Gegenteil verkehren könnte.
 
Sollte der Zauberer oder die Hexe dennoch diese Courage aufbringen und als einzigen Zweck die Rettung oder die positive Beeinflussung eines Lebens begehren, ohne dafür einen eigenen Vorteil erzielen zu wollen,kann es neben dem gewünschten Erfolg zu einem äußerst überraschenden Nebeneffekt kommen. Es handelt sich dabei um eine gewisse mentale Anbindung beider Parteien aneinander, die sich unter anderem darin äußert, dass ein merkliches Eintauchen in die Gefühlswelt des Anderen möglich ist, man dem Geretteten bzw. dem Lebensretter also unbewusst emotional näher kommt als irgendeiner anderen Person.
 
Wie stark die Beeinflussung durch den Fluch ist, wird in der Publikation in der Zeitschrift Zentralfragen der Zauberkunst der Ausgabe12/1717 aufzeigt. Celestina Montgomery, Professorin am Hexeninstitut von Salem, international anerkannte Gelehrte und eine der Verfechterinnen der Schule von Fedorow Maximovich Njeugodnow, ist nach langjährigen Forschungen erst vor kurzem der Nachweis gelungen, dass eine Beeinflussung des freien Willens der von dem Zauber betroffenen Person selbst über Kontinente hinweg erfolgen kann und der Fluch dabei — unabhängig von der Motivation — auch über große Entfernungen seine volle Wirkung entfaltet.
 
Angesichts dieser beobachteten kritischen Entwicklung kann sich der Verfasser dieses Artikels nicht der Meinung der Mehrheit der Gremiumsmitglieder im Ausschuss für die Gesetzgebung in der magischen Gemeinschaft anschließen, diesen Zauberspruch nicht als Fluch zu ächten und ihn nicht als vierten verbotenen Fluch unter den 'Bann der Unverzeihlichen Flüche' zu stellen.
 
In diesem Zusammenhang wurde jedoch durch eine Mehrheit der Gremiumsmitglieder die Meinung vertreten, dass im Falle dieses Zauberspruches – anders als bei den ‘Unverzeihlichen Flüchen’ - keine sadistische Freude hinsichtlich einer Gewaltausübung gegen ein anderes lebendes Wesen, sondern nur ein extrem starker Wille zur Ausführung des Zaubers notwendig sei, um diesen seine volle Wirkung entfalten zu lassen.
 
Dem kann so nicht zugestimmt werden. Genau wie auch beim inzwischen unter den ‘Bann der Unverzeihlichen’ gestellten Imperius-Fluch wird durch den ‘Coniunctioperpetua’ der freie Wille des dem Zauber Unterliegenden beeinflusst und durch den Willen des Dominierenden ersetzt, und zwar auf noch subtilere Art und Weise. Kann man sich unter Aufbringung aller Willenskräfte manchmal gegen den Imperius wehren, so ist dies bei einem nonverbal auszusprechenden Fluch schon allein aus dem Grund nicht möglich, weil der Betreffende nichts von der Existenz des Fluches bemerkt. Einzig und allein die beschriebenen äußerlichen Anzeichen beim Werfen, darunter der Schmerz im Schulterblatt, deuten darauf hin, dass überhaupt eine magische Beeinflussung durch irgendeinen Zauber stattfindet.
 
Doch die Gelehrten gelangten auch zu Ergebnissen, die das Wissen um den Fluch selbst betreffen und uns das Verständnis um die Auswirkungen des Fluches weiter nahebringen.
 
Inzwischen wurde die über viele Jahrhunderte von Betroffenen immer wieder aufgeworfene Frage geklärt, was eigentlich diesen Schmerz im Schulterblatt auslöst. Es handelt sich dabei um eine Tätowierung, die in der gleichen Sekunde während des Werfens des Zaubers auf den rechten Schulterblättern der beteiligten Personen eingeprägt wird. Als einziges sichtbares nachweisbares Zeichen der geschaffenen Verbindung — wenn man dies überhaupt als solches bezeichnen kann, da es im Normalfall unsichtbar ist — ist eine Art unauslöschbare magentafarbene ovale Tätowierung in Form einer mehrfach in sich zusammengerollten Schlange, die sich in den Schwanz beißt zu werten.
 
Es entspricht der Grundhaltung des Verfassers, den werten Leser in diesem Zusammenhang noch auf eine weitere Seite dieses Buches zu verweisen: Im Jahre 1517 wurde durch Anastasia Markarowa, die selbst direkt von dem Zauber betroffen war, ein Zauberspruch entwickelt, der diese Tätowierungen bei beiden Partnern gleichzeitig für genau eine Stunde sichtbar machen kann. Voraussetzung dafür ist, dass derjenige, der den Zauber geworfen hat, dies mit dem Zauberspruch ‘Apparete signa’ (betrachte Seite 946) und den zugehörigen Zauberstab-Bewegungen (betrachte Seite 947) auslöst.
 
Somit ist anzumerken, dass auch in diesem Fall die Motivation für das Werfen des Ursprungszaubers eine entscheidende Rolle spielt. Bis zum heutigen Tag wurde noch kein Zauberspruch gefunden, der es dem Betroffenen selbst ermöglicht festzustellen, ob ein entsprechender Zauber gegen ihn oder sie angewandt wurde, sofern nicht derjenige, der ihn geworfen hatte, ihn dabei unterstützt.
 
Auch eine kleinere äußerlich sichtbare Veränderung in der Magie selbst wurde durch einen Zufall beobachtet: Der Wechsel der Farben bei den Zauberstabfunken. Die Zauberstäbe beider Parteien ändern die Farbe ihrer Zauberstabfunken in Gold, gleichgültig welche Farbe auch immer sie vorher hatten. Dies ist auch das einzige wahrnehmbare Anzeichen für den von dem Fluch Betroffenen, dass irgendjemand Magie gegen ihn angewandt haben muss.
 
Als Hermione den Kopf wieder hob, war ihr Gesicht blass. Sie starrte Severus aus weit geöffneten Augen stumm und voller Entsetzen an. »Das habe ich nicht gewusst«, flüsterte sie. Wenn dies möglich gewesen wäre, verstärkte sich die Intensität ihrer Schuldgefühle ihm gegenüber noch, obwohl es dafür eigentlich keinen Grund gab. »Ich wollte doch nur helfen …«
 
»Wie hoch ist Ihr Preis für mein Leben ... Miss Granger?«, hörte sie ihn leise fragen.
 
Im ersten Moment glaubte sie, sich die Worte nur eingebildet zu haben. Doch dann begriff sie, dass er diese Frage wirklich gestellt hatte. Sie sah ihn vollkommen verständnislos an. »Preis? Was für ein Preis?«
 
Er hob eine Augenbraue und setzte ein süffisantes Lächeln auf, obwohl tief in seinem Inneren ein Sturm aus unterschiedlichen Gefühlen tobte. »Sie haben mit Hilfe dieses Zauberspruches nun die Gelegenheit, die Fledermaus aus den Kerkern, den schmierigen Bastard oder wie auch immer man mich in Schülerkreisen gerne bezeichnet, nicht nur zu manipulieren, wie Albus Dumbledore es über viele Jahre getan hat, sondern besitzen ab jetzt die absolute Macht über mich, mit der sie mich zu allem zwingen können, was Sie wollen. Sie können mich für alles — was immer Sie sich darunter vorstellen wollen — bezahlen lassen.« Ohne dass er selbst sich dessen bewusst war oder er es auch nur bemerkte, lag ein für ihn ausgesprochen ungewöhnlicher Ausdruck von Verunsicherung, ja, beinahe Furcht in seinem Blick.
 
Zutiefst erschüttert über seine bitteren Worte und den schmerzvollen Tonfall in seiner Stimme war Hermione aufgestanden und mit zitternden Knien zu ihm herübergekommen. Sie kauerte sich neben seinen Sessel, legte ihm wie in Trance die Hand an die Wange und sah ihn mit in Tränen schwimmenden Augen an. »Welche schrecklichen Erfahrungen müssen Sie in Ihrem Leben mit Menschen gemacht haben, um mich zu so etwas für fähig zu halten?« Sie konnte kaum sprechen und ihre aufgewühlten Gefühle klangen im Tonfall ihrer Stimme durch.
 
»Ich werde es nur einmal aussprechen und ich möchte, dass Sie nie vergessen, was ich jetzt sage: Was ich Ihnen gegeben habe, war ein Geschenk ... ein Geschenk, das von Herzen kam, das absolut ehrlich gemeint war. Ich bereue nicht eine Sekunde, diesen Zauberspruch gelernt und damit Ihr Leben gerettet zu haben, auch wenn ich jetzt weiß, was dieser Zauberspruch bewirken könnte. So, wie Harry, wenn die Umstände seiner Geburt anders gewesen wären, stolz darauf wäre, Sie zum Vater zu haben, wäre ich stolz darauf, Sie Freund nennen zu dürfen, Severus Snape.«
 
Fassungslos und tief bewegt streckte Severus aus einem unbestimmten Gefühl heraus die Hand aus, legte sie um ihren Hinterkopf und zog sie langsam zu sich heran. Sie wusste, dass sie sich jederzeit zurückziehen könnte, und sie ließ es trotzdem geschehen. Er schaute wachsam in ihre Augen und — als von ihrer Seite aus keine in irgendeiner Form abwehrende Reaktion kam — senkte er seine Lippen vorsichtig auf ihre.
 
Sein Kuss war unerwartet, allerdings nicht unwillkommen. Hermione konnte die Wärme spüren, die jeden Teil ihres Körpers in diesem Augenblick durchflutete. Seine langen schlanken Finger spielten unbewusst mit ihrem Haar, streichelten, liebkosten. Er war unglaublich sanft und behutsam, forderte nichts, was sie nicht zu geben bereit war. Sie empfand etwas, das vergleichbar mit dem Gefühl war, nach einer langen Reise nach Hause zu kommen, wieder sicher und geborgen zu sein.
 
Viel zu früh für ihr Empfinden beendete er diesen Kuss, so früh, dass Sie Bedauern darüber empfand. Niemals hätte sie sich vorstellen können, dass dieser Mann in ihr solche Emotionen auslösen könnte. Erst jetzt bemerkte sie, dass ihre Hand von seiner Wange zu seiner Brust gewandert war und sie genussvoll die Augen geschlossen hatte und als sie sich nun dazu zwang, sie zu öffnen, blickte sie direkt in zwei tiefschwarze Abgründe, die gar nicht so tiefschwarz waren, wie sie immer geglaubt hatte, denn sie konnte innerhalb der Iris die Pupille erkennen. Über sich selbst irritiert zog sie sich ganz langsam zurück.
 
»Es wäre mir eine Ehre, Sie als meine Freundin bezeichnen zu dürfen … Hermione«, sagte er mit einer Stimme, die ihre Knie weich werden ließ.
 
Hatte er überhaupt eine Ahnung davon, was er mit dieser tiefen samtenen Stimme anrichten konnte? Oh doch, vermutlich schon. Oft genug hatte er in der Vergangenheit seine Stimme als Waffe eingesetzt. Doch in diesem Moment, im Hier und Jetzt, war sie sich sicher, dass dies von ihm nicht bewusst geschah, dass er genauso unter dem Eindruck des Kusses stand wie sie. Allerdings wusste sie Eines ganz genau: Er hatte sie ganz bewusst mit ihrem Vornamen angeredet.
 
Hermione erhob sich ganz langsam, nicht ohne jedoch mit ihrer Hand den Weg von seiner Brust über seinen Arm zu seiner Hand zu nehmen und dort einen Moment zu verharren. Seine Haut war heiß und in diesem Augenblick schoss die Vorstellung durch ihren Kopf, dass er wie ein Vulkan sein würde. Unvermittelt kam ihr die Erinnerung in den Sinn, als er mit entblößtem Oberkörper im Krankenflügel auf dem Bett gelegen hatte. Sie sah wieder die schwarzen Haare auf seinem muskulösen Brustkorb vor sich, die sich über den flachen Bauch hinunter fortsetzten und irgendwo im Bund seiner Hose verschwunden waren. Ohne es verhindern zu können, errötete sie heftig, als sie bemerkte, in welche Richtung ihre Gedanken wanderten.
 
Beinahe fluchtartig machte sie sich auf den Weg zur Tür, als sie hinter sich ein leises Rascheln und ein »Danke.« vernahm. Sie drehte sich herum und sah, dass er aufgestanden war. Fragend schaute sie ihn an.
 
»Ich habe niemals damit gerechnet, den Fall Voldemorts zu überleben. Und noch weniger damit, dass es einen Menschen geben könnte, der bereit ist, sein eigenes Leben an meines zu binden, um zu verhindern, dass ich sterbe. Ich danke Ihnen, Hermione.«
 
Hermione war im Begriff, sich in Bewegung zu setzen und den Raum zu verlassen, unterließ es jedoch. Sie fühlte, dass dies vielleicht der richtige Zeitpunkt sein würde, den letzten Schritt zu tun. »Ich hätte niemals zugelassen, dass Sie sterben, nicht nach all dem, was ich zu wissen glaubte. Sie brauchen sich nicht zu bedanken.«
 
Er schüttelte nur stumm den Kopf.
 
Sie ging dorthin zurück, wo er noch immer stand. »Ich weiß nicht, wie ich es ausdrücken soll, aber …« Sie stockte, weil sie keine Ahnung hatte, wie er auf ihren Vorschlag reagieren würde. Obwohl — nun, so wie sie ihn kannte, vermutete sie, dass er sich mit aller Vehemenz dagegen sträuben würde.
 
Argwöhnisch hatte er ihre letzten Worte gehört. Er konnte in ihren Gesicht lesen wie in einem offenen Buch. Hinter ihrer Stirn hatte es zu arbeiten begonnen, als sie an der Tür gestanden hatte. Und er konnte sich vorstellen, in welche Richtung ihre Gedanken gingen.
 
»Nein!«
 
Hermione runzelte die Stirn. »Aber Sie wissen doch gar nicht …«
 
»Meine Antwort ist NEIN!«
 
»Vielleicht hat der Zauber nicht seine volle Wirkung entfaltet …«
 
Severus schaute sie durchdringend an. »Miss Gra— Hermione, haben Sie vergessen, worüber wir die ganze Zeit gesprochen haben? Der Wechsel der Farbe bei den Zauberstabfunken, die Änderung meines Patronus’. Das lässt keinen Platz für Zweifel!«
 
Hermione zog nun nach seiner Manier eine Augenbraue hoch. »Wovor haben Sie solche Angst? Dass ich Ihren nackten Rücken sehen könnte? Machen Sie sich keine Gedanken — das habe ich bereits!« Sie wusste, dass sie vielleicht einen Schritt zu weit ging, und sie wusste auch, dass dies nicht ganz der Wahrheit entsprach, aber vielleicht würde gerade das ihn aus der Reserve locken, so dass er seine Meinung ändern würde.
 
Er war … sprachlos. Und noch immer vollkommen sprachlos erlebte er mit, wie sie ihren Zauberstab aus dem Ärmel zog, sich wieder in ihren Sessel setzte und den dicken Wälzer zu sich heranzog.
 
Sie blätterte in dem Buch, bis sie gefunden hatte, was sie suchte, und begann zu lesen. Dann nahm sie ihren Zauberstab und führte — zuerst sehr zögerlich, doch dann immer entschlossener — sehr komplizierte Bewegungen damit aus. Je mehr Routine sie bekam, umso zielbewusster und flüssiger wurden ihre Aktionen, umso selbstbewusster wurde ihr gesamtes Auftreten.
 
Nach einer Weile blickte sie auf in obsidanschwarze unergründliche Augen, die sie — wie sie jetzt begriff — die gesamte Zeit fasziniert beobachtet haben mussten; in Augen, die sie schon vorhin vollkommen in ihren Bann gezogen hatten. Sie war so vertieft in ihre Lektüre gewesen, dass sie nicht einmal gemerkt hatte, wie er sich in den Sessel ihr gegenüber gesetzt hatte.
 
»Wir brauchen beide diese Gewissheit!«, sagte sie eindringlich. »Ich möchte mich nicht mein ganzes Leben über fragen, ob ich Ihnen unbewusst in irgendeiner Form Schaden zugefügt habe.«
 
Severus schloss betroffen die Augen. Tief in seinem Inneren musste er zugeben, dass sie Recht hatte. Sie beide brauchten diese Gewissheit, dass es ihr Zauber gewesen war, der sein Leben gerettet hatte. Als er seine Augen wieder öffnete, blickte er direkt in braune Augen mit goldenen Sprenkeln, die ihn immer noch eindringlich musterten. Er fügte sich in das Unvermeidliche und nickte widerstrebend.
 
Erleichterung durchflutete Hermione. Sie griff erneut zu ihrem Zauberstab, hielt einen Moment inne und vollführte dann zielstrebig die eingeübten komplizierten Zauberstab-Bewegungen, während sie gleichzeitig mit fester Stimme »Apparete signa!« warf.
 
Im selben Moment verspürte Hermione einen stechenden Schmerz auf ihrem Schulterblatt. Ein kurzer Blick zu ihrem Gegenüber bestätigte ihre Vermutung: Auch Severus Snape hatte das Gesicht schmerzvoll verzogen.
 
»Ich denke, das reicht als Beweis aus«, presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
 
Sie konnte nur nicken. Niemals würde sie auf dem bestehen, was sie vorhin so spielerisch angedeutet hatte. Sie wusste, dass er ansonsten ernsthaft böse reagieren würde. Es hatte sie sehr gewundert, dass er vorhin auf ihre provozierende Bemerkung nicht reagiert hatte.
 
Langsam stand sie aus ihrem Sessel auf. Als sie an ihm vorbeikam, legte sie sanft die Hand auf seine Schulter und murmelte: »Danke.« Kurz bevor sie die Tür erreichte, hörte sie wie er ihren Namen aussprach und drehte sich um.
 
»Hermione … Wenn Sie nichts dagegen haben, würde ich Ihnen gern helfen, die Bücher zu restaurieren und einzuordnen.«
 
Sie nickte erfreut. »Ich würde mich über Ihre Gesellschaft freuen.« Mit diesen Worten griff sie nach der Türklinke, öffnete die Tür und verließ die Bibliothek.
 
Sie ließ einen tief beeindruckten und nachdenklichen Severus Snape zurück.
 
Severus setzte sich wieder in seinem Sessel, lehnte sich zurück und legte den Kopf gegen die Rückenlehne des Sessels. Immer noch pulsierte ein heftiger Schmerz auf seinem Schulterblatt. Entgegen seiner sonstigen Gewohnheiten und trotz des Schmerzes in seiner Schulter begann er leise zu lachen. Sie hatte also seinen nackten Rücken bereits gesehen? Es musste sie viel Überwindung und einiges von ihrem sprichwörtlichen Gryffindor-Mut gekostet haben, um ihn damit aus der Reserve locken zu wollen. Aber es hatte funktioniert, wie er zugeben musste. Dann jedoch wurde er ernst.
 
Viel Arbeit würde vor ihm liegen, nicht nur die Arbeit an den zerstörten Büchern — das war Routine — sondern die, seine Lebensretterin wirklich kennenzulernen. Er würde ein Leben lang an sie gebunden sein. Noch vor ein paar Stunden hätte diese Vorstellung sämtliche Alarmglocken in ihm schrillen lassen, hätte eine wahrliche Höllenangst in ihm ausgelöst, doch jetzt, nach ihrem Gespräch und ihrem Experiment, schaute er ruhig in die Zukunft.
 
Freund!
 
Ein rotes Fellknäuel pirschte sich an ihn heran, schubberte erst seinen Kopf und dann seinen ganzen Körper an seinem Bein, um eine Unmenge an roten Haaren zu hinterlassen und sprang dann auf seinen Schoß, um es sich dort gemütlich zu machen. Automatisch reichte er mit der Hand hinunter und begann, das weiche Fell zu kraulen, was ihm mit einem lauten Schnurren gedankt wurde.
 
Er hatte sich regelrecht zwingen müssen, von ihren Lippen abzulassen.
 
Nun, Poppy hatte — wie so oft schon, wenn es um die Einschätzung von Menschen ging — Recht behalten. Severus konnte es nicht glauben: Er hatte sie wirklich geküsst.
 
*'*'*'*'*
 
Hermione verschwand in ihrem Schlafzimmer. Sie hatte nun den endgültigen Beweis dafür erhalten, dass Severus Snapes Leben an ihres gebunden war. Sie zog ihre Robe aus und ließ sie über einen der Stühle fallen.
 
Immer noch brannte es heftig auf ihrem Schulterblatt, und ihre Gryffindor-Neugierde siegte. Sie ging in das angrenzende Badezimmer und schob ihren Pullover nach oben. Dann drehte sie sich so, dass sie ihren Rücken im Spiegel sehen konnte.
 
Ihr Spiegelbild zeigte ihre beinahe makellose Rückenansicht. Sie konnte den schwach schimmernden Ansatz der Narbe erkennen, den die Wunde hinterlassen hatte, die Antonin Dolohov ihr damals während des Kampfes im Ministerium zugefügt hatte. Diese Narbe verlief aus ihrem Blickfeld hinaus, wie sie wusste, und setzte sich weiter nach vorn ihren gesamten linken Rippenbogen entlang fort. Obwohl Poppy Pomfrey die Verletzung damals mit Diptam behandelt hatte, war ein Hauch von einer Narbe geblieben. Da niemand den Zauber gehört hatte, den Dolohov nonverbal auf sie geworfen hatte, war die Behandlung äußerst schwierig gewesen. Madame Pomfrey hatte ihr später erzählt, dass sie Stunden gebraucht hatte, um die Wunde zu verschließen und sie ohne Diptam überhaupt keine Chance gehabt hätte, die Blutung zu stillen.
 
>Diptam < Hermione runzelte die Stirn. Madame Pomfrey hatte sicherlich kein Diptam vorrätig gehabt. Nur eine Person hatte in Hogwarts Diptam in seinem Besitz. Kein Zweifel — es musste aus den privaten Vorräten von Severus Snape stammen. Sie nickte nachdenklich ihrem Spiegelbild zu. Es war, wie sie vermutet hatte: Professor Snape hatte bereits damals seine Hand auch schützend über sie, eine Muggelgeborene, gehalten.
 
Ihr Blick wanderte weiter nach oben zu ihrem Schulterblatt. Gut sichtbar war dort ein magentafarbenes ovales Zeichen in ihrer Haut, dessen Inschrift sie allerdings nicht entziffern konnte. Es waren Runen, das war das Einzige, was sie mit Sicherheit sagen konnte. Dafür war die äußere Einfassung deutlich zu erkennen: Eine mehrfach in sich zusammengerollte Schlange, die sich in den Schwanz biss.
 
Sie wollte gerade ihre Augen wieder abwenden, als ihr noch etwas auffiel. Gleich daneben, kaum erkennbar, war ein weiteres Zeichen. Fahlbläulich. Kaum zu sehen. Nur ein Schatten. Und doch — da war irgendetwas … irgendetwas, das diesem magentafarbenen Schlangen-Runen-Ding verdammt ähnlich sah … Aber — was war das? Merlin, war dieses Etwas wirklich mit einem langen geschuppten Schwanz versehen? Nein, es musste eine Illusion sein … Wirklich … nur ein Schatten …
 
*'*'*'*'*
 
Das Brennen in seiner Schulter hatte immer noch nicht nachgelassen. Langsam stieg er die Treppe in den dritten Stock hinauf. Obwohl ihm dies heute bereits weitaus leichter fiel als gestern, spürte er, dass er noch lange nicht wieder im Vollbesitz seiner körperlichen Kräfte war.
 
Er warf seine Robe über einen der Sessel und sah sich zum ersten Mal in Ruhe um. Nach der noblen Einrichtung des Zimmers zu urteilen, musste dies hier einst das Schlafzimmer von Blacks Eltern gewesen sein. Seine eigenen Reinblüter-Großeltern hatten ebenfalls großen Wert auf außergewöhnliches Wohnambiente gelegt. Wenn er sich nicht allzu sehr täuschte, dann war sämtliches Mobiliar in diesem Raum aus Rio-Palisander gefertigt, einem der wertvollsten und seltensten Edelhölzer der Muggel-Welt.
 
Auch das angrenzende Badezimmer zeugte von einem erlesenen Geschmack. Verde Cipollino-Marmor aus Griechenland verband sich stilvoll mit einer riesigen Badewanne auf Schlangenfüßen und goldenen Armaturen mit Schlangen-Ornamenten. Severus fühlte sich trotz seiner Slytherin-Zugehörigkeit deplatziert in dieser Umgebung.
 
Bedächtig knöpfte er sowohl Weste als auch Hemd auf und zog beides aus. Er war kein eitler Mann, ganz im Gegenteil … Es hatte ihn schon seit Jahren Überwindung gekostet, überhaupt einen Blick in den Spiegel zu werfen. Seine übergroße Nase — nun, dagegen konnte er nichts unternehmen — aber die gelblichen schiefen Zähne und das fettige Haar — gegen das erste halfen zwei Zaubersprüche und dem zweiten wäre mit Waschen sicherlich beizukommen. Zumindest, solange er sich nicht in Reichweite von Kesseln aufhielt.
 
Seine Brust war mit Narben übersät, die kreuz und quer über den gesamten Brustkorb und, wie er wusste, auch über seinen Rücken liefen. Nein, er war nicht neugierig. Er würde jeden in den nächsten Tag hexen, der behauptete, er würde seine übergroße Nase in alles stecken, was ihn nichts anginge. Aber hier war niemand, dem er einen Fluch auf den Hals hetzen musste, so dass er sich nun so drehte, dass er sein linkes Schulterblatt sehen konnte.
 
Doch was war das? Neben einem magentafarbenen ovalen Zeichen befand sich ein zweites ebenso ovales, jedoch purpurnes Mal. Beide Zeichen waren mit Runen-Inschriften versehen, die er — obgleich seine Kenntnisse in Runen weit über das Normale hinausgingen — nicht entziffern konnte. Alles, was er mit Sicherheit feststellen konnte, war, dass die Inschriften nicht identisch waren.
 
Die Erkenntnis traf ihn wie ein Schock: Irgendetwas musste in der Heulenden Hütte ganz furchtbar fehlgeschlagen sein.
 
 
 
Fortsetzung folgt ...
 
 
 
A/A: Farbe Purpur: Sie ist die Farbe der Inspiration, der Mystik, Magie und der Kunst. Sie ist eine außergewöhnliche, extravagante Farbe, die auch mit Stolz und Arroganz oder Unmoral in Verbindung gebracht wird. (aus fraunhofer)
 
Farbe Magenta: Magenta ist eine sanfte Farbe. In der Natur erleben wir sie hauptsächlich als Farbe von Blüten. Sie steht für Idealismus, Dankbarkeit, Engagement, Ordnung und Mitgefühl. (aus fraunhofer)
 
Farbe Blau: Blau gehört zu den ‘kalten’ Farben. Die blauen Schatten in sonnig bestrahltem Eis und Schnee bewirken - insbesondere im Eisblau - das Gefühl von Kälte. (aus Wikipedia) Sie steht für Ruhe, Vertrauen, Pflichttreue, Schönheit und Sehnsucht. (aus fraunhofer)
 
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