AleaThoron
   
  FairyCat's Potions and Passions
  Kapitel 21 — Eine unliebsame Überraschung
 
DISCLAIMER: Ich verdiene kein Geld damit, habe jedoch genau den unglaublichen Spaß, der nicht mit Geld aufzuwiegen ist. Alle agierenden Personen gehören JKR. Ich habe sie mir heimlich ausgeborgt, verspreche aber, gut auf sie aufzupassen und sie wohlbehalten und an Erfahrungen reicher und gereifter wieder zurückzugeben.
 
Beta: Deep Water — Mein ganz spezieller Dank gilt meinem Beta, der eigentlich mein Vater ist, und der mich mit »Und wann schreibst Du endlich Deine eigene Geschichte?« erst dazu gebracht hat, diese Story Wirklichkeit werden zu lassen.
 
 
Coniunctio perpetuaby Alea Thoron
 
 
Kapitel 21 — Eine unliebsame Überraschung
 
Die Weasleys waren noch in der Nacht zuvor vom Grimmauldplatz in den Fuchsbau zurückgekehrt. Sie hatten unglücklich mit ansehen müssen, wie Kingsley Shacklebolt ihren Sohn Percy aus der kleinen Zelle im zweiten Keller holte und über das von Harry kurzzeitig aktivierte Flohnetz ins Ministerium brachte, um ihn später von dort aus nach Azkaban überführen zu lassen. Percy hatte sich so heftig gegen die magische Fesselung gewehrt, dass es trotz der Fixierung noch dreier weiterer Ordensmitglieder bedurfte, um ihn festzuhalten. Er hatte, sobald er seiner Eltern ansichtig wurde, erneut damit begonnen, sie voller Hass auf das Übelste zu beschimpfen, bis Hestia Jones wutentbrannt einen Silencio-Zauber warf, um ihn erneut zum Schweigen zu bringen. Dabei war das Wort ‘Blutsverräter’ noch so ziemlich das Harmloseste gewesen, was er von sich gegeben hatte. Molly Weasley hatte, lange nachdem er verschwunden war, laut schluchzend neben dem Kamin gestanden, während sie ihren Kopf an die Schulter ihres Mannes, der zornig die Lippen zusammenpresste, gelegt und sich krampfhaft an ihm festgehalten hatte. Niemand, am allerwenigsten seine Eltern, konnte verstehen, wie es so weit hatte kommen können.
 
Arthur und Molly Weasley hatten danach versucht, Ginevra davon zu überzeugen, mit ihnen nach Hause zu kommen. Ginny hatte sich jedoch strikt geweigert, sich regelrecht mit Händen und Füßen dagegen gesträubt, und es wurde zunehmend klar, dass man sie nur mit Gewalt aus diesem Haus hätte bringen können. Letztendlich hatte ihr Vater frustriert aufgegeben und es war ihm — obwohl sie erst in drei Monaten volljährig werden würde — nichts anderes übrig geblieben, als zuzustimmen, dass sie vorerst hier am Grimmauldplatz bei Harry bleiben durfte. Die vorausgegangene heftige Auseinandersetzung mit seiner Ehefrau über seine Nachgiebigkeit gegenüber seiner Tochter entgegen jeder Vernunft und jeder althergebrachten Moralvorstellung der magischen Welt hatte zu Harrys und Ginnys großer Überraschung Arthur Weasley gewonnen, der das leise Vor-sich-hin-Murmeln seiner Frau, die mit seiner Entscheidung überhaupt nicht einverstanden war, geflissentlich ignorierte. Molly hatte Harry noch im Weggehen einen Blick zugeworfen, von dem dieser nie geglaubt hatte, dass sie ihn jemals so ansehen würde. Sie schien schwer enttäuscht und machte nicht den Eindruck, als ob sie sich mit dieser Niederlage auf Dauer so einfach abfinden würde.
 
Poppy hatte Hermione nach einer weiteren Untersuchung und langen Diskussionen endlich erlaubt, heute wieder aufzustehen, nachdem sie ihr hoch und heilig versprochen hatte, sich maßgeblich zu schonen. Hermione war die Erste, die zum Frühstück herunterkam. Kaum hatte sie die Tür zur Küche geöffnet, als Kreachers Gesicht sich aufhellte und er ihr ein strahlendes Lächeln schenkte. »Miss Hermione, Kreacher ist so glücklich, dass es Missy wieder gut geht.« Er tätschelte ihre Hand und begann augenblicklich, geschäftig um sie herumzuwuseln. »Setzen Sie sich, Kreacher bringt sofort das Frühstück.«
 
Hermione setzte sich an den Tisch. Noch immer konnte sie die Verwandlung, die der alte Hauself durchlaufen hatte, kaum fassen. Sie hatte gerade zu essen begonnen, als eine große, ihr völlig unbekannte, Eule auf dem Fenstersims landete. Sobald Kreacher sie hereingelassen hatte, streckte sie augenblicklich Hermione ihr Bein entgegen. Hermione band den Brief ab und bemerkte, dass er das amtliche Siegel des Ministeriums trug. Dies konnte nichts Gutes bedeuten. Trotzdem bot sie der Eule ein Stück ihres Toasts an, das diese vorsichtig nahm und dann sofort wieder davonflog. Hermione fühlte, wie ein riesiger Stein ihren Magen verklumpte, und ihre Hände begannen so sehr zu zittern, dass sie den Brief auf dem Tisch ablegen musste.
 
Sie starrte ohnmächtig auf den Brief, als könne allein schon ihr Blick bewirken, dass dieser sich einfach in Luft auflöste. Obwohl sie ahnte, was er beinhaltete, konnte sie sich nicht dazu überwinden, sich dem Unvermeidbaren zu stellen und ihn zu öffnen. Entgegen besserem Wissen hatte sie bis vor wenigen Augenblicken gehofft, dass sich der Amtierende Zaubereiminister nach nochmaliger Überlegung dazu durchgerungen hatte, seinen salbungsvollen Worten auch Taten folgen zu lassen. Doch Shacklebolt hatte seit jenem verhängnisvollen Samstag nicht ein einziges Mal versucht, mit irgendjemandem hier am Grimmauldplatz oder in Hogwarts Kontakt aufzunehmen.
 
Ihre Hände fühlten sich wie Blei an, als sie das Siegel brach und mit bebenden Fingern den Brief öffnete. Er enthielt eine an Hermione gerichtete Ladung als Zeugin vor dem Zaubergamot. Der Termin für Severus’ Anhörung war für den 04. Juni um 11.00 Uhr im Gerichtssaal Zehn angesetzt worden. Dies bedeutete, dass ihnen bis dahin noch knapp dreieinhalb Wochen Zeit blieben, um eine wirksame Verteidigungsstrategie auszuarbeiten.
 
Hermione ließ sich zitternd auf ihrem Stuhl zurücksinken und schloss die Augen. Sie sah nicht den sorgenvollen Blick, den Kreacher ihr zuwarf. Ihre Hände bebten so heftig, dass ihr der Brief aus der Hand rutschte und flatternd zu Boden sank. Sie reagierte nicht darauf. Für einen Augenblick überschwemmte sie Panik wie eine riesige Woge, die sie sich absolut hilflos fühlen ließ und die nur sehr langsam verebbte. Ihr Hunger war ihr gründlich vergangen, allein der Anblick des Rühreis auf ihrem Teller verursachte ihr Übelkeit.
 
Ohne einen greifbaren Grund dafür zu haben, meldete sich ihr ‘Bauchgefühl’ wieder und sie glaubte unvermittelt, Moodys Stimme zu hören, wie er wie früher urplötzlich »Immer wachsam!« blaffte. Mit einem Mal hatte sie das Gefühl, aufspringen und irgendetwas unternehmen zu müssen. Im selben Moment, als sie diesem Drang nachgab, öffnete sich die Tür und Harry kam herein, gefolgt von Ginny. Harry fing sie in seinen Armen auf, als sie blind in ihn hineinrannte.
 
»Hey, hey, was ist denn passiert?« Sein besorgter Tonfall holte sie in die Gegenwart zurück. Sie schaute zu ihm auf und merkte erst jetzt, dass ihr Blick vollkommen von Tränen verschleiert war.
 
»Der … der Brief …«, stotterte sie.
 
Harry blickte erst auf den Tisch und, als er dort nichts außer dem nicht beendeten Frühstück seiner besten Freundin vorfand, suchte er mit den Augen den Raum ab, bis er dann auf dem Fußboden vor dem Fenster ein zusammengerolltes Pergament entdeckte, das der von ihr erwähnte Brief sein musste. Ihm war sofort klar, dass dies ein Brief vom Ministerium mit dem gleichen Inhalt sein musste, wie er ihn selbst ebenfalls erst vor ein paar Minuten erhalten hatte. Harry musste sich nicht einmal sonderlich anstrengen, um tief in seinem Inneren volles Verständnis für Hermione aufzubringen.
 
»Wir schaffen das, Hermione, gemeinsam«, sagte er mitfühlend, während er ihr sanft immer wieder über den Rücken strich, um sie wenigstens etwas zu beruhigen.
 
»Ich … ich traue denen nicht«, entfuhr es Hermione leise und stockend. Da sie immer noch das Gesicht an seiner Brust verbarg, klang ihre Stimme wie durch Watte. »Ich … weiß nicht … warum, aber … ich habe … ein ungutes Gefühl dabei.«
 
Harry war froh darüber, dass er ihr nicht in die Augen sehen musste. Auch wenn er dies vor ihr niemals zugeben würde, um sie nicht noch mehr zu beunruhigen, so hatte auch er sich bereits in dem Moment Sorgen zu machen begonnen, als Kingsley Shacklebolt ihnen eröffnet hatte, dass es nur eine Anhörung vor dem Zaubergamot geben solle. Auch er vertraute Shacklebolts Versprechungen nicht wirklich. Er hatte sie schließlich schon einmal getäuscht, oder nicht? Immer noch strich er besänftigend über Hermiones Rücken und er konnte spüren, wie sein Hemd auf der Vorderseite ganz langsam von ihren Tränen durchweicht wurde.
 
»He, Hermione, du bist doch eine Kämpferin! Wir geben uns nicht geschlagen.« Harrys Stimme hatte einen harten Klang angenommen, was nicht auf Hermiones Tränen, sondern auf seine eigenen Überlegungen zurückzuführen war. »Erinnere dich daran, was wir im letzten Jahr alles überstanden haben. Glaubst du wirklich, dass wir jetzt einfach aufgeben? Dieser Mann hat meinen größten Respekt und mein absolutes Vertrauen — und das hat nichts damit zu tun, dass du ihn magst oder er mit meiner Mum befreundet war.« Er schwieg für eine Weile, so dass nur noch Hermiones leises Schniefen zu hören war.
 
Vorsichtig hob er Hermiones Kinn an, bevor er in weitersprach. »Mir ist vollkommen bewusst, dass ich niemals zu den Menschen zählen werde, die er seine Freunde nennen wird — das ist schon aufgrund seiner schrecklichen Erfahrungen mit meinem Dad nicht möglich — aber ich hoffe ganz stark, dass ich eines Tages wenigstens seine Anerkennung gewinnen kann.« Aus seinem Tonfall konnte man das tiefe Bedauern über diesen Sachverhalt heraushören, das darin mitschwang. »Ich gebe dir mein Wort, Hermione, dass ich nichts unversucht lassen werde, um ihm zu helfen, seinen Namen wieder reinzuwaschen. Und das tue ich nicht für dich oder weil ich in seiner Schuld stehe — das stehe ich sowieso — sondern einzig und allein für ihn.«
 
Hermione hatte gezwungenermaßen aufblicken müssen, um Harry anzusehen, als dieser seinen Finger unter ihr Kinn schob. Als sie jedoch über seine Schulter blickte, entdeckte sie im Schatten des Korridors verborgen eine schwarzgekleidete Gestalt und schaute geradewegs in obsidianfarbene unergründliche Augen, die Harry mit einem Ausdruck von Erstaunen und Ungläubigkeit musterten, bevor sie sich kurzzeitig ihr zuwandten, um sich dann wieder auf Harry zu richteten. Severus stand nur ein paar Schritte entfernt im Schatten und es bestand kein Zweifel daran, dass er jedes von Harrys Worten gehört hatte.
 
Sie schaute wieder zu Harry, der offensichtlich keine Ahnung davon hatte, dass Severus Snape nicht weit von ihm entfernt stand und sowohl seine Worte, als auch die Emotionen in seiner Stimme mitbekommen haben musste.
 
»So, nun komm. Du hast ja nicht einmal dein Frühstück beendet. Ich glaube, Kreacher wäre überhaupt nicht glücklich darüber, wenn du seine Kochkünste nicht zu schätzen weißt, und wird dir garantiert schon bald mit einem erhobenen Zeigefinger drohen«, setzte Harry schelmisch mit einem verschwörerischen Seitenblick hinüber zu seinem Hauselfen hinzu, als er sie sanft herumdrehte und wieder in Richtung Küchentisch schob.
 
Kreacher schaute sie streng an, konnte diesen Gesichtsausdruck jedoch nicht lange durchhalten, bis ein wehmütiges Lächeln seine faltigen Züge kreuzte. »Missy muss essen, sie braucht ihre Kraft«, sagte der alte Hauself energisch. »Allerdings müssen Master und seine Miss Ginny jetzt auch frühstücken.«
 
Hermione setzte sich wieder an den Tisch, dieses Mal sofort von Harry und Ginny gefolgt. Kurze Zeit später betrat auch Severus Snape die Küche, der Harry einen scharfen Blick zuwarf, den dieser jedoch nicht mitbekam, da er sich gerade seinem Teller mit Rührei widmete. Nach und nach trudelten auch Professor McGonagall und Poppy Pomfrey ein, so dass sich dann eine relativ ruhige Unterhaltung am Tisch über allgemeine Themen ergab.
 
Trotz aller Versuche der Anderen, sie in das Gespräch am Tisch einzubeziehen, beteiligte sich Hermione nur sehr einsilbig daran und auch nur, wenn sie direkt angesprochen wurde. Sie schenkte, genau wie Harry und Severus, der sich nun doch recht lebhaft entwickelnden Unterhaltung der drei anderen Frauen am Tisch relativ wenig Aufmerksamkeit, sondern hing ihren eigenen Gedanken nach, stellte bereits in Gedanken ein Konzept zusammen, das sie für Severus’ Verteidigung nutzen wollte. Ihre massive Panik war zwar momentan verschwunden, hatte jedoch eine sich beständig im Hintergrund haltende unbestimmte Angst hinterlassen, die sie innerlich rastlos und angespannt zurückließ.
 
Erst nach einer gewissen Weile fiel Hermione auf, dass sowohl Professor McGonagall als auch Poppy Pomfrey
reichlich übernächtigt aussahen, was sie auf die Ereignisse des gestrigen Abends zurückführte. In Wirklichkeit hatten die beiden, nachdem Poppy Minerva recht unsanft von Hermiones Schlafzimmertür weggezogen hatte, noch stundenlang über die Szenen diskutiert, deren Zeugen sie in dieser Nacht geworden waren. Beide Frauen waren sich zum Schluss wenigstens darüber einig gewesen, dass niemand besser als Hermione Severus zur Seite stehen könnte, obwohl Minerva McGonagall auch dem nur mit halbem Herzen zugestimmt hatte. In ihrer überschwänglichen Freude war dies Poppy jedoch entgangen, so dass sie mit zufriedenem Gesichtsausdruck Minervas Schlafzimmer verlassen hatte.
 
Die alte Professorin hatte jedoch dann noch bis in die frühen Morgenstunden wachgelegen, hatte das Für und Wider abgewogen und versucht, ihre aufsteigenden Befürchtungen und Ängste um Hermione zurückzudrängen. Irgendwann jedoch war sie zu dem erschreckenden Ergebnis gekommen, dass sie auf dem besten Weg dazu war, ihren Fehler von vor über zwanzig Jahren zu wiederholen, hatte sich entsetzt über sich selbst ruckartig im Bett aufgesetzt und innegehalten.
 
»Habe ich denn wirklich bereits wieder alles vergessen, was ich in der letzten Woche über Severus erfahren habe? Habe ich schon wieder verdrängt, welche Selbstvorwürfe ich mir schon allein deswegen gemacht habe, und weil ich Lilys damaliges Verhalten mit einer gewissen Genugtuung hingenommen habe, weil er ja nur ein Slytherin war?«, hatte sie entsetzt vor sich hingemurmelt. Severus war ein nobler und mutiger Mann, wenn auch nicht sehr umgänglich, und Hermione war zwar jung, allerdings stark und trotz ihrer Jugend mit einer Lebenserfahrung ausgestattet, die sie eigentlich nicht hätte besitzen dürfen. >Oh Albus, wie konntest du Kinder deinen Krieg führen lassen<, hatte sie von Schuldgefühlen gepeinigt gedacht. >Waren wir alle für dich denn nur Schachfiguren in einem großen Spiel?<
 
Erst in diesem Moment hatte sie begriffen, welches Ausmaß auch ihre eigene Enttäuschung und Verärgerung über Albus Dumbledore angenommen hatte, hatte gemerkt, wie ernüchtert und desillusioniert sie über die Motivation und Handlungsweise ihres alten Weggefährten war. Ihr Vertrauen in diesen Mann, dem sie bis vor einer Woche ohne zu zögern in den Tod gefolgt wäre, hatte nicht nur gelitten, sondern war auf einem Tiefpunkt angekommen, von dem Minerva nie geglaubt hätte, dass es ihn jemals erreichen könnte.
 
Nun saß sie hier und musste beobachten, wie Severus versuchte, sogar jeglichen Augenkontakt zu den Menschen am Tisch zu vermeiden. Er hatte seinen Kopf dermaßen vorgebeugt, dass seine Haare wie ein Vorhang nach vorn fielen und sein Gesicht verbargen, so dass keinerlei Ausdruck darin zu erkennen war. Bis jetzt hatte er außer einem Gruß kein einziges Wort gesagt und schien sich ausschließlich auf sein Frühstück zu konzentrieren. Es tat ihr in der Seele weh, ihn so zu sehen. >Nein, er hat keinerlei Grund, sich zu verstecken, weder vor uns noch vor der magischen Welt. Ganz im Gegenteil, er kann mit hocherhobenem Haupt jedem in die Augen sehen<, dachte sie herausfordernd.
 
Doch in diesem Moment, bevor sie sich an Severus wenden konnte, ertönte am Fenster ein leises Klopfen. Harry sprang auf und ließ einen großen dunkelbraunen Waldkauz herein, der sofort zu Hermione hinüberflatterte und ihr sein Bein entgegenstreckte. Hermione nahm die daran befestigte Rolle ab und steckte einige Knuts in den dafür vorgesehenen Beutel. Sie hielt dem Waldkauz ein Stück ihres Toasts hin, das dieser gnädig akzeptierte und danach davonflog. Hermione entrollte die Zeitung und ließ sie mit einem ungläubigen Aufkeuchen beinahe wieder fallen. Eine riesige Schlagzeile war ihr ins Auge gesprungen.
 
Severus Snape – gnadenloser Dämon und fingierter Kriegsheld?
Eine Betrachtung von Rita Skeeter
Teil 2
 
Es ist doch schon absonderlich, mit welcher Dreistigkeit der magischen Gemeinschaft eine kitschige Geschichte über eine vor vielen Jahren verlorene Liebe und die von angeblicher Reue getragene persönliche Vendetta gegen Du-weißt-schon-wen verkauft werden soll. Man benötigt nur ein klein wenig gesunden Menschenverstand, um hinter den an sich schon fragwürdigen Aussagen des Jungen-der-Du-weißt-schon-wen-zweimal-überlebt-hat die zwielichtigen Machenschaften des großen Manipulators Albus Dumbledore zu erkennen.
 
Tatsache ist und bleibt doch, dass es sich bei Severus Snape — einem Mann, der unbestreitbar das Dunkle Mal auf dem linken Unterarm trägt — um einen hartgesottenen Todesser und skrupellosen Mörder handelt. Vielen von uns ist Snape, der siebzehn Jahre an der Hogwarts Schule für Hexerei und Zauberei als Professor tätig war, als besonders drastisches Beispiel für einen schlechten Lehrer in trauriger Erinnerung geblieben. Legt man nun noch das besondere Augenmerk darauf, dass genau dieser Mann während der einjährigen Terrorherrschaft des wohl dunkelsten Zauberers in der Geschichte der magischen Welt zum Schulleiter in Hogwarts ernannt wurde, und bedenkt man, was in dieser Zeit in der Schule geschah, so erscheint bereits allein die Vorstellung, dass genau dieser Mann als heimlicher Retter der Zaubererwelt gelten soll, an sich als völlig absurd.
 
Doch weitaus mysteriöser und damit auch noch viel interessanter erscheint die Frage, wie es überhaupt möglich sein konnte, dass Severus Snape die schwere — eigentlich tödliche Verletzung — die ihm in der Schlacht um Hogwarts durch das Schoßtierchen seines Meisters zugefügt wurde, überleben konnte. Wie die Verfasserin dieses Artikels aus zuverlässiger Quelle in Erfahrung bringen konnte, soll dafür niemand anderes als Harry Potters Anhängsel, die muggelstämmige Hexe, Miss Know-it-all Hermione Granger verantwortlich zeichnen.
 
In Anbetracht dieser Umstände stellt sich nun die Frage, ob sich hinter den von Potter aufgestellten Behauptungen in Wirklichkeit nicht ein Komplott mehrerer Personen verbirgt, die eigene Ziele verfolgen und nichts unversucht zu lassen scheinen, um einen aktenkundigen Todesser vor seiner gerechten Strafe — dem Kuss der Dementoren — zu bewahren.
 
Kann es also wirklich wahr sein, was der Junge-der-Du-weißt-schon-wen-zweimal-überlebt-hat uns glauben machen möchte? Wieviel Ehrlichkeit können wir von einem jungen Mann erwarten, der ein Leben lang durch einen Mann wie Albus Dumbledore und falsche Freunde manipuliert wurde?
 
Mehr dazu auf Seite 3…
 
»Dieses verdammte Miststück!«, fauchte Hermione rasend vor Wut. Blankes Entsetzen spiegelte sich in ihren Zügen wider, als sie den Tagespropheten angewidert auf den Küchentisch warf. »Warum habe ich sie bloß nicht in diesem Einmachglas verrecken lassen, als ich die Möglichkeit dazu hatte?«, murmelte sie erbittert vor sich hin. Diese leise Bemerkung brachte ihr nicht nur einen irritierten Blick von Professor McGonagall, sondern auch von Severus ein.
 
»So schlimm?« Ginny sah auf und begegnete Hermiones furiosem Blick.
 
Hermione schnaubte laut. »Denk an das Schlimmste und es ist nur die halbe Wahrheit.«
 
»Warum lässt du dir diesen Müll immer noch schicken, Hermione? Du weißt doch, dass der Tagesprophet nur dazu gut ist, Eulenkäfige damit auszulegen.« Harry schüttelte konsterniert den Kopf, während Professor McGonagall nach der Zeitung griff und zu lesen begann. Es dauerte nicht einmal drei Sekunden, bis auch sie das erste wütende Schnauben von sich gab, dem weitere folgten.
 
»Wir müssen wissen, was der Feind denkt und welche Schritte er als nächstes planen könnte, Harry. Abgesehen davon ist das hier offensichtlich schon der zweite Teil einer Schmutzkampagne. Den ersten davon habe ich nicht, und wer weiß, mit wieviel Dreck dieses Biest bereits um sich geworfen hat. Kann sie wirklich mit solchen Verleumdungen durchkommen, Professor?«, wandte sie sich nun ungläubig an Minerva.
 
Professor McGonagall wiegte nachdenklich den Kopf. »So sehr ich auch bedauere, dies sagen zu müssen, aber ich befürchte, dass ein Teil der magischen Bevölkerung selbst jetzt noch nicht begriffen hat, dass man dieser ‘Zeitung’ nicht glauben darf. Sie haben wahrscheinlich nicht viel davon mitbekommen, Miss Granger, aber während Voldemorts Gewaltherrschaft war dieses Blatt für die sogenannte Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich, war nicht nur das Sprachrohr des Ministeriums, sondern auch das Voldemorts. Und Rita Skeeter hat sich bei der Verunglimpfung von Mister Potter und Ihnen im Besonderen und der Diffamierung von Muggelgeborenen im Allgemeinen ganz besonders hervorgetan. Sie war eine derjenigen, die vehement die Arbeit der Kommission zur Registrierung Muggelstämmiger unterstützt haben. Und leider ist sie damit bisher jedenfalls durchgekommen.«
 
Hermiones Wut hatte sich bei Minerva McGonagalls Worten ins Unermessliche gesteigert. Sie merkte nicht einmal, wie sie mit den Zähnen knirschte oder dass sie ihre Hände zu Fäusten geballt hatte. »Wir werden sehen!«, war jedoch der einzige Kommentar, den sie nach langem Schweigen dazu abgab.
 
*'*'*'*'*
 
Professor McGonagall war gleich nach dem gemeinsamen Frühstück, zusammen mit Poppy Pomfrey, nach Hogwarts zurückgekehrt. Keine halbe Stunde später verschwanden auch Harry und Ginny, nachdem eine weitere Eule angekommen war. Er hatte nicht sagen wollen, wohin sie gingen, hatte Hermione nur vielsagend angeschaut und mit seinem typischen Grinsen gesagt: »Du wirst es früh genug erfahren.« Hermione hatte, doch irgendwie leicht aus der Fassung gebracht, mit den Schultern gezuckt und sich auf den Weg in die Bibliothek gemacht.
 
Seitdem saß sie nun hier und grübelte vor sich hin. Auf dem Tisch vor ihr lagen mehrere neue Rollen Pergament und eine spitze Feder. Sie begann, gedankenverloren mit der Feder zu spielen, schob sie auf dem Tisch hin und her und drehte sie um sich selbst. >Was ist gestern Nacht nur geschehen?<, fragte sie sich. Sie erinnerte sich noch immer mit Grausen an den Alptraum aus der vergangenen Nacht, der sie wie schon so oft vorher wieder nach Malfoy Manor zurückversetzt hatte. Dieses Mal jedoch war er blutrünstiger und grauenhafter als jemals zuvor gewesen.
 
Flashback
 
Anders, als es in Wirklichkeit abgelaufen war, musste Hermione in ihrem letzten Alptraum mitansehen, wie Dobby bei seinem Rettungsversuch vor ihren Augen von Fenrir Greyback regelrecht zerfleischt wurde. Schon die bisherigen Folterungen durch Bellatrix Lestrange hatten sie bis an den Rand des Wahnsinns getrieben, doch dieser Anblick raubte ihr fast den Verstand. Für einen Sekundenbruchteil konnte sie Draco neben seinem Vater stehen sehen, der sie mit einer Mischung aus Hilflosigkeit und Horror anstarrte. Blut. Überall war Blut. Bellatrix’ Messer hatte bereits ganze Arbeit geleistet. Erneut sah sie durch einen Schleier aus Tränen, wie Bellatrix ihren Zauberstab auf sie richtete, sah ihr von irrem Hass verzerrtes Gesicht vor sich, als sie »Crucio!« zischte und glaubte, noch einmal die wahnsinnigen Schmerzen zu verspüren. Dies musste auch der Auslöser für ihre Schreie gewesen sein, an die sie sich allerdings nicht mehr erinnern konnte.
 
Allerdings erinnerte sie sich genau an die Wärme und das Gefühl von Geborgenheit, die sie plötzlich eingehüllt hatten, an die sanften Finger, die behutsam über ihren Rücken strichen und die besänftigend geflüsterten Worte, deren Sinn sie am Anfang zwar nicht verstand, die ihr jedoch schon allein durch den Tonfall die beklemmende Angst nahmen und sie in die Gegenwart ihres Schlafzimmers zurückführten. Erst nach und nach drang auch die Bedeutung der Worte in ihr Bewusstsein. ‘Hab keine Angst ... Du bist in Sicherheit ... Niemand wird dir jemals wieder Leid zufügen ...’ hörte sie eine ihr vertraut klingende Stimme flüstern. Wie ein Hammer traf sie im selben Moment die Erkenntnis, wem diese seidige Stimme gehörte und wer sie da gerade in den Armen hielt. Erst jetzt fühlte sie sich wirklich in Sicherheit und sie schmiegte sich voller Vertrauen enger in Severus’ Umarmung, während unendliche Erleichterung sie durchflutete.
 
In den nächsten Minuten begann sie langsam, den schrecklichen Alptraum, ihre eigenen Ängste und auch alles andere um sich herum zu vergessen, konzentrierte sich vollkommen auf den Mann, der sie in den Armen hielt. Ihre Hände hatten ein Eigenleben entwickelt. Während ihre rechte Hand sanft über seinen Rücken streichelte, war ihre linke Hand nach oben gewandert, wo sie ihre Finger in seinem Haar vergrub. Zu ihrem Erstaunen war es seidenweich und sie begann, mit den Strähnen zu spielen. Als Hermione zögernd den Kopf hob, konnte sie im schwachen Kerzenschein seine obsidianschwarzen Augen sehen, die ein unglaubliches Verlangen und eine noch nie bei ihm gesehene Sehnsucht ausdrückten. Langsam neigte er den Kopf und berührte mit seinen Lippen ihre Stirn. Für ein paar Augenblicke schaute er sie wachsam und fragend an, bis er verstand, dass von ihrer Seite aus kein Widerstand und auch keine Zurückweisung erfolgen würden. Erst dann senkte er bedächtig seine Lippen auf ihre.
 
Hermione glaubte, in diesem Kuss zu ertrinken. Ganz vorsichtig strich seine Zunge über ihre Unterlippe und begehrte Einlass in ihren Mund. Sie öffnete die Lippen und spürte im selben Moment, als seine Zunge die warme Feuchte ihres Mundes zu erkunden begann, wie die kleinen Schmetterlinge, die schon seit einer geraumen Weile wie wild in ihrem Bauch tanzten sich nun beinahe überschlugen. Es gab keinen gierigen Kampf der Zungen, sondern es war ein zärtliches Spiel.
 
Noch niemals zuvor war sie so geküsst worden, noch niemals zuvor war sie so erregt gewesen. Wie durch einen Schleier nahm sie wahr, dass auch Severus sich den Gefühlen dieses Augenblicks nicht entziehen konnte, was ihre eigene Erregung noch weiter vergrößerte. Sie konnte den Beweis dafür sehr genau spüren, dort, wo sich seine wachsende Erregung hart gegen ihren Bauch drückte. Sie stöhnte unterdrückt auf und wimmerte leise, als er den Kuss plötzlich abbrach. »Wir sollten das nicht tun«, hörte sie ihn wie aus weiter Entfernung heiser flüstern, während sich seine Hand immer noch durch ihre wuschelige Mähne wühlte.
 
Flashback Ende
 
Wie schon gestern Nacht stöhnte Hermione frustriert auf. Er hatte es doch wirklich fertig gebracht, einfach aufzuhören! Sie verspürte noch immer die gleiche Frustration, dieselbe tiefe innere Leere, die sie gestern empfunden hatte, nachdem er den Kuss abgebrochen und sie wie ein kleines Kind wieder ins Bett verfrachtet hatte. Sie wusste natürlich, dass er sie nicht in den Armen gehalten hatte, weil er sich von ihr angezogen fühlte, sondern um ihr nach ihrem schrecklichen Albtraum Geborgenheit und Sicherheit zu vermitteln. Und doch hatte sich in diesem Moment irgendetwas zwischen ihnen verändert. Als er sich von ihr gelöst hatte, hatte es sich angefühlt, als ob ein Teil von ihr selbst irgendwo verlorengegangen wäre. Und dieses Gefühl hatte sich auch heute Morgen noch nicht verflüchtigt.
 
Hermione nahm die Feder hoch und drehte sie zwischen zwei Fingern. Das Pergament vor ihr auf dem Tisch lag immer noch jungfräulich da. >Merlin, wie kommst du jetzt auf diesen Terminus<, dachte sie kopfschüttelnd und musste doch gleichzeitig über sich selbst leise lachen. Nun, zumindest gegen die Jungfräulichkeit dieses Stückes Pergament würde sie jetzt etwas unternehmen können. Sie machte sich entschlossen an die Arbeit.
 
*'*'*'*'*
 
Harry und Ginny kamen erst am Abend zurück. Beide wirkten erschöpft, aber auch zufrieden mit sich selbst. Harry hatte ein Lächeln in seinem Gesicht zementiert, das einem Grinsekatzenlächeln alle Ehre machte. Als Hermione ihn darauf ansprach, tippte er ihr spielerisch und mit breitem Grinsen mit einem Finger auf die Nase und antwortete nur: »Aber wer wird denn hier so neugierig sein.«
 
Hermione konnte über diesen großen Kindskopf nur lächelnd den Kopf schütteln. Insgeheim jedoch war sie froh darüber, dass Harry die furchtbaren Ereignisse um die Vernichtung Voldemorts und seine entscheidende Rolle dabei psychisch so gut verkraftet zu haben schien. Sie wusste allerdings ebenso, dass es wenigstens zum Teil auch Ginny zu verdanken war, die sich ohne einen Augenblick zu zögern — selbst gegen ihre eigene Familie — an seine Seite gestellt hatte.
 
Nicht zum ersten Mal wünschte sie sich in einem unbeobachteten Moment für sich selbst ebenfalls solch einen gleichwertigen Partner, einen Mann an ihrer Seite, der ihr den Rücken stärkte oder sie einfach nur in die Arme nahm, um sie zu trösten, wenn es ihr schlecht ging. Mehrere Jahre lang hatte sie geglaubt, dass Ron dieser Kamerad sein könnte oder eines Tages sein würde, doch die letzten Tage und Wochen hatten sie eines Besseren belehrt. Sie wusste nun, dass sie niemals ihr Leben mit ihm teilen würde, dass selbst ihre langjährige Freundschaft nun ernsthaft gefährdet war. Es würde niemals wieder so unbeschwert sein wie vorher, selbst wenn ihre Freundschaft dieses Desaster überleben sollte. Diese Tür hatte sie zugeschlagen und sie bereute es weniger, als sie noch vor wenigen Tagen gedacht hatte. Doch eine andere Tür hatte sich dafür völlig überraschend geöffnet, nur einen Spalt breit, aber weit genug, um einen heimlichen Blick hindurch zu werfen. Professor Snape … Severus Snape … Severus …
 
Dies brachte ihre Gedanken wieder zurück zu dem Damokles-Schwert, das wie eine unsichtbare Drohung über ihren Köpfen hing: Die anstehende Anhörung. Sie hatte heute selbst für ihre Vorstellungen viel geschafft. Vier eng beschriebene Rollen Pergament lagen oben in der Bibliothek auf dem Tisch und warteten dort auf ihre erste Überarbeitung. Ihre größte Angst bestand darin, irgendetwas zu übersehen oder nicht alle Eventualitäten einzukalkulieren und wieder zu scheitern, so wie bei ihrer damaligen Ausarbeitung für die Verteidigung von Seidenschnabelvor dem Ausschuss für die Beseitigung gefährlicher Geschöpfe, obwohl sie heute glaubte, dass dies nicht an der Qualität ihrer Ausarbeitung, sondern an Hagrids Auftreten und vor allem an dem unüberwindbaren Einfluss von Lucius Malfoy gelegen hatte.
 
Trotzdem hatte sie gerade daraus gelernt. Ihr durfte nicht noch einmal der Fehler unterlaufen, die Macht und den Einfluss auch nur eines der Mitglieder des Zaubergamots zu unterschätzen. Nein, das würde ihr ganz sicherlich nicht wieder passieren! Ihr war bereits damals aufgrund ihrer Recherchen in der Bibliothek von Hogwarts durchaus bewusst gewesen, dass Seidenschnabels Leben von der Qualität seiner Verteidigung abhängen würde. Aber das hier war dennoch etwas völlig anderes. Allein der Gedanke daran, dass dieses Mal nicht das Leben eines magischen Tierwesens von ihr und ihrer Arbeit abhing, sondern das Leben eines Menschen, ließ sich alles in ihr verkrampfen. Sie verspürte einen solch enormen Druck, dass sich in ihrem Inneren ein riesiger Knoten gebildet hatte. Dies hier war nicht vergleichbar mit dem, was sie als normalen Prüfungsdruck bezeichnete — es ging weit darüber hinaus. Sie musste unter allen Umständen einen Freispruch erwirken, alles andere wäre unverzeihlich. Zum Glück stand sie dieses Mal jedoch nicht allein.
 
Und dann hatte sie an diesem Abend noch etwas erlebt, mit dem sie nicht gerechnet hatte. Harry hatte sie vor wenigen Minuten hier in der Bibliothek abgefangen und ihr unter dem Siegel der Verschwiegenheit eröffnet, dass er Severus Snape gestern die Phiole mit seinen Erinnerungen zurückgegeben hatte. Sie war unendlich stolz auf ihn.
 
Erst als sie sich jetzt zum Abendbrot an den Küchentisch gesetzt hatte, bemerkte Hermione, wie hungrig sie eigentlich war. Sie hatte vorhin — nicht gerade erfreut über die Unterbrechung — nur abwehrend die Hand gehoben, als Kreacher versucht hatte, sie dazu zu überreden, zum Mittagessen herunterzukommen. Seine leise vor sich hingemurmelten Worte ‘Missy wird sich irgendwann noch zu Tode hungern.’ hatte sie zwar akustisch vernommen, jedoch vollkommen ignoriert. Beinahe lautlos hatte Kreacher daraufhin einen Teller mit Sandwichs vor sie hingestellt, die sie allerdings über ihrer Arbeit auch vergessen hatte zu essen. Deshalb hatte sie auch keine Probleme damit, sich jetzt eine zweite Portion aufzuladen.
 
Es wurde nicht viel gesprochen. Kurze Zeit nachdem alle ihr Abendessen in der Küche beendet hatten, lehnte sich Harry mit seiner Tasse Tee zurück und schaute in die kleine Runde. »Wir waren heute bei Luna«, stellte er in den Raum.
 
Hermione war nicht die Einzige, die interessiert aufblickte. »Ahh… das erklärt einiges«, antwortete sie bedächtig.
 
»Was meinst du damit?«, fragte Harry und runzelte die Stirn.
 
»Dein diabolisches Grinsen, Harry … Ein Besuch bei Luna ist für mich gleichbedeutend mit einem Besuch beim Klitterer. Ich denke, du hast dein Versprechen eingelöst und Luna von unserem Jahr auf der Suche nach den Hor… auf der Flucht erzählt«, verbesserte sie sich gerade noch rechtzeitig. »Und wie ich deinem Grinsen vorhin entnehme, hast du mit deinem Besuch bestimmt noch etwas anderes im Sinn gehabt«, setzte sie selbst schelmisch grinsend nach einer kurzen Überlegung hinzu.
 
Ginny verzog schmollend das Gesicht. »Es macht überhaupt keinen Spaß mit dir, Hermione. Warum muss diese Frau eigentlich so schrecklich clever sein, Harry?«, wandte sie sich an den jungen schwarzhaarigen Mann neben sich.
 
»Frag mich nicht, Ginny«, antwortete Harry, als hätte er gerade eine persönliche Niederlage erlitten, während er sich übertrieben enttäuscht am Kopf kratzte. »Ich weiß nur, dass uns ihre Cleverness mehrfach das Leben gerettet hat.«
 
Hermione wurde jetzt allerdings wieder ernst. »Vielleicht wäre Luna ja auch noch zu einer weiteren ‘Schandtat’, die unseren Absichten entgegenkommt, bereit … Nun sagt schon, ihr Beiden, was habt ihr herausschlagen können?« Sie wartete angespannt auf Harrys Antwort.
 
»Tja, Luna wäre am Abdruck eines Interviews mit Professor Snape sehr interessiert. Da inzwischen allgemein bekannt ist, dass Sie überlebt haben, Professor, würde sie gern persönlich mit Ihnen reden.« Harry blickte sichtlich nervös zu Severus Snape herüber, der sich hinter einem Vorhang aus Haaren, die sein Gesicht vor ihren Blicken verbarg, regelrecht versteckt hatte.
 
Severus hatte bisher ihren spielerischen Schlagabtausch mit buchstäblicher Faszination beobachtet. Man merkte den Dreien die jahrelange Vertrautheit an. Er konnte die brüderliche — und auch schwesterliche — Zuneigung spüren, die sie für einander empfanden. Jetzt jedoch kam sein reizbares Temperament wieder durch. »Potter!«, donnerte er. »Wieso glauben Sie, dass Sie derartig über mich bestimmen können?«
 
Harry hob abwehrend beide Hände. »Wie könnte ich bloß auf diese abwegige Idee kommen?«, konterte er sarkastisch. Er sah, wie Professor Snape den Mund öffnete, um irgendetwas zu erwidern, und ihn nach einem irritierten Blick in Harrys Gesicht mit einem Stirnrunzeln wieder schloss. Spitzbübisch grinsend setzte er deshalb sofort hinzu: »Beruhigen Sie sich, Professor, ich wusste, dass Sie dieser Idee niemals zustimmen würden. Wir haben deshalb vereinbart, dass Luna eine schriftliche Stellungnahme von Ihnen abdruckt.«
 
Severus konnte es kaum glauben. Der Junge, den er jahrelang im Unterricht und auch bei jeder sich bietenden anderen Gelegenheit auf jede nur erdenkliche Art traktiert und schikaniert hatte, bezog ihn nun in ihre neckischen Spielereien mit ein. Als Severus jetzt ungläubig in die Gesichter von Hermione und Harry blickte, begriff er, dass er genauso reagiert hatte und darauf angesprungen war, wie Potter es erwartet und beabsichtigt hatte. Er wandte den Blick ab, konnte jedoch ein leises Lächeln nicht unterdrücken und bemerkte nicht einmal, dass sich dieses durch das unwillkürliche fast nicht wahrnehmbare Hochziehen eines Mundwinkels bemerkbar machte. Aber drei andere Menschen sahen es.
 
 
 
Fortsetzung folgt …
 
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